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Käsegeld

Das verweigerte Käsegeld (1660)

Über 200 Jahre feierten die Wolfhager “Ackerburschen” am 3. Pfingsttage ihre Maifeier auf Kosten anderer. “Nach alter Gerechtsame” hatten sie “Anspruch auf Abgaben aus der Schafhalterei der umliegenden Gemeinden, so auch 3 Alb. 4 Hl. von Altenstädt. Diese Gefälle hat den Wolfhager Ackerburschen als “Dankeschön” der Landgraf Moritz für ihre Mithilfe verordnet, als er auf einer Reise bei Wolfhagen - nach der Überlieferung - aus bedrohlicher Lage in Schlamm und Morast von ihnen befreit wurde.
Um diese Gefälle hat es mit den zur Zahlung Verpflichteten immer wieder Zank und Streit gegeben, weil sie darin eine ungerechte Behandlung sahen und als solche empfinden mussten.
Unverständlich ist, dass der hessische Landgraf Moritz das im “Ausland”, auf Mainzer Territorium liegende Altenstädt mit dieser Zwangsabgabe belegen konnte. Eine Erklärung konnte hierfür noch nicht gefunden werden. Möglicherweise war die “Unzuständigkeit” des Landgrafen Moritz für diese Steuer der Grund, dass sie bei den Altenstädtern stets böses Blut machte. So kam es, dass sie im Jahre 1660 die Abgabe verweigerten, als die Wolfhager Ackerburschen sie an Ort und Stelle in Empfang nehmen wollten. Daraufhin glaubten diese, berechtigt zu sein, den Schafhaltern im Dorf eigenmächtig einen Hammel wegzunehmen, zu pfänden, um auf solche Weise zu ihrem Recht zu kommen. Frohlockend zogen sie heimwärts - siegesbewusst. Sie hatten aber die Rechnung ohne die Altenstädter Bauern gemacht. In “Kriegsstärke” eilten sie den Ackerburschen zu Fuß und zu Pferd nach, holten sie ein und überwältigten sie. Sie mussten nicht nur den Hammel wieder hergeben, sondern auch ihre Schießprügel und Schlagwerkzeuge.
Dann brachten sie die Ackerburschen als Gefangene nach Naumburg und übergaben sie der Mainzer Obrigkeit. Der Schultheiß steckte sie kurzerhand in den Turm und ließ sie erst einmal hungern, trotz ihres Angebots, das Brot zu bezahlen. In ihrer Furcht, noch längere Zeit hungern zu müssen, riskierten sie Kopf und Kragen: sie rissen ihre Hemden in Stücke, drehten daraus einen Strang, an dem sie sich in der zweiten Nacht ihres Gewahrsams auf die Stadtmauer herunterließen. So konnten sie also der Ungunst ihres Schicksals entfliehen. Mit ihrer Eingabe vom 20.7.1660 beschwerten sie sich in Kassel über die ihnen zu teil gewordene Behandlung und verlangten für sich als “Pfingstknechte” Gerechtigkeit. Über den Fortgang der Angelegenheit liegen keine Unterlagen vor.
Der Landgraf soll ihnen zum Dank für ihre Hilfe auch eine Fahne gestiftet haben. Auf sie hatten sie die Verse aufgemalt:
“Der Landgraf sprach in großer Freud:
Habt Dank ihr braven Bauersleut.”
Den Dank der Altenstädter Bauern begehrten sie indessen nicht.

Quelle: 1150 Jahre Alahstat - Aldenstede - Altenstädt 831-1981 von Georg Feige (1981)

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