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Brand in Istha

Wenn es in Istha nur nicht gebrannt hätte!

Jeder Brand hat seinen Rauch. Diese Erfahrung haben auch einige Altenstädter machen müssen, die 1781 nach Istha geeilt waren, um einen Brand löschen zu helfen. Ob es an Ort und Stelle zur Mitwirkung gekommen ist, steht dahin. Man muss sich über die Art und Weise der Hilfe nicht einig gewesen sein, denn es kam unter den Altenstädter Feuerwehrleuten zum Streit. Ihre hierbei bewiesene Schlagkraft hat - nach dem Polizeibericht - “den Christoph Kleinschmitt von altenstätten sehr übel zugerichtet”.
Sein Vater (Johann Ludwig Kleinschmitt) erstattete Anzeige beim Amt in Naumburg und klagte auf Bestrafung, Schmerzensgeld und Entgelt für Arbeitsversäumnis des Sohnes. Die Beschuldigungen  richteten sich gegen Martin und Reinhard Schlutz, Martin Schäfer, den Krede und Huhn (ohne Vornamen).
Das Hessen-Casselische Amt Zierenberg forderte zudem die Auslieferung der Frevler zu ihrer Sistierung und “zur Fundierung der fori delicti”, aber sie wurde abgelehnt, weil die Untersuchung von Amts wegen in Naumburg bereits erfolgt und der Bericht dazu an die churfürstliche Regierung in Mainz schon eingeschickt worden war. Man hatte den Kläger sowie einige hessische Zeugen gehört, aber auch die Beklagten vernommen. Letztere haben ihre Aussagen beschworen. Dem Polizei-Protokoll nach wurde der Geschädigte durch die Gebrüder Schlutz “ohne einigen erheblichen Anlaß zuerst angegriffen und mit Schlägen mißhandelt, von dem Martin Schäfer nicht nur exitieret sondern von demselben annoch auff der Erde liegenden mit Füßen getreten worden”. Der nach Mainz berichtende Hofrat Lammerz empfiehlt, die 3 Frevler “nebst willkommen und abschied zu dreiwochiger Chaussee- oder sonsten ordentlicher frohnarbeit anzuhalten”. Wegen der Kurkosten, Schmerzensgelder usw. müsse der Kläger seine finanzielle Forderung erst einmal schriftlich und der Höhe nach geltend machen. Darüber müsse man dann gutachtlich befinden und die Missetäter “in soliduim” (=für das Ganze) haftbar machen.
Der Urteilsspruch, der in den Akten fehlt, muss dem vorgeschlagenen Strafmaß entsprochen haben. Huhn und Krede wurden anscheinend nicht bestraft. Unter “willkommen und abschied” als Strafe muss die Prügelstrafe - “eine Tracht Schläge” - zu verstehen sein, wogegen sich die Beschuldigten zur Wehr setzen.
Am 8.12.1781 bittet Reinhard Schlutz, ihm die Arbeitsstrafe zu erlassen und “in eine leidentliche Schuldbuße umzuwandeln”.  Sein Bruder Martin und auch Martin Schäfer hätten die öffentliche Arbeit “wirklich begriffen”; er aber versehe für seinen 70-jährigen Vater seit 10 Jahren den Schultheißendienst, und er befürchte, dass ihn die öffentliche Arbeit “beschimpfen und verkleinern würde”. Er sei kein Zänker und “in diese Affaire unvorsichtlich mit verwickelt worden”. Der Amtmann von Amoeneburg nimmt dazu Stellung: Reinhard Schlutz versehe tatsächlich seit 10 Jahren für seinen bejahrten Vater den Schultheißdienst; man könne ihm auch das Zeugnis einer guten Aufführung nicht versagen. Die Mutter von Reinhard und Martin Schlutzhabe sich über die Art der Strafe und die hohen Kosten “so zu Gemüth geführt, daß sie bald darauf verstorben seie”. Johann Martin Schlutz  und Martin Schäfer hätten zwar die öffentliche Arbeit erbracht, aber “als man ihnen die Tracht Schläge durch des Fritzlarer Stadtdiener - weil der Altenstädter sich hierzu nicht verstehen wollen - hätten appliniren wollen und herzu die kurfstl. Hußaren herbeykommen laßen, hätten sie sich beide geflüchtet. - Übrigens habe der Vulnerat (=Gekränkte, Verletzte) durch die davon getragenen Schläge an seiner Gesundheit keine nachhaltigen Folgen erlitten, auch habe er seine Schmerz- und Schadensgelder vergütet erhalten und damit bei deren Publication sich zufrieden begnügt. Berichtende geben somit anheim, ob B. H. B. K. (?) den Reinhard Schlutz von Erstehung der öffentlichen Strafen, in Rücksicht seiner sonstigen guten Aufführung, und des verwitweten alten Vaters, befreyen und solche in eine Geld Strafe zu verwandeln minder nicht die Beiden anderen Mitschuldigen mit der noch ausstehenden Tracht Schläge zu verschonen geruhen wollen”.
Der Amoeneburger Amtmann stützt sich in der Wiederholung seines Gesuches auf die Berichte der (Naumburger) Beamten, sagt dann, dass der Geschlagene “unbeschädigt” sei, alle Arbeiten wie vorher verrichten könne und mit der erhaltenen Entschädigung vollkommen zufrieden sei.  “Referens glaubt daher unmaßgeblichst, dass man die Supplicanten mit der Tracht Schläge für diesmal verschonen, jedoch denselben bedeuten könne, dass sie bei der nächsten auch geringsten Ausschweifung dazu unabläßlich angehalten werden würden”.
Reinhard Schlutz muss nach dem Mainzer Bescheid vom 14.1.1782 15 Thaler Strafe bezahlen. Den beiden anderen wird die Tracht Schläge gegen “Erlegung von 5 fl.” erlassen. Darüber haben - den Unterschriften zufolge - neun Richter befunden!

Quelle: 1150 Jahre Alahstat - Aldenstede - Altenstädt 831-1981 von Georg Feige (1981)
 

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